Die Bühler AMNESTY Gruppe feierte am 18. Juni 2011 ihren 20. Geburtstag. Zu diesem Anlass stand  Marina Schuster MdB, Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, für Fragen zur Verfügung. Da die Bühler AMNESTY Gruppe nun schon zum zweiten Mal einen Gefangenen in Syrien betreut, war die aktuelle Situation in Nordafrika besonders interessant.

Zwei Stunden lang fand im Bürger- und Kulturzentrum in Bühl ein lebhafter und vor allem aufschlussreicher Informationsaustausch zwischen Marina Schuster und der Bühler AMNESTY Gruppe statt. Bei diesem Gespräch wurde sehr deutlich, dass nicht jedes Land die Rechte eines jedes Einzelnen würdigt. Gerade in Syrien sind Menschenrechte seitens der Regierung keine Selbstverständlichkeit. Politische Gegner werden aufgrund ihrer Überzeugungen verhaftet. Jahrelang sind sie in Haft, unter für uns kaum vorstellbaren Zumutungen. Frau Schuster teilte mit, wie sie vor Ort die Möglichkeit hatte sich einen Einblick in einem Gefängnis in Nordafrika zu verschaffen und Gespräche mit Insassen zu führen. Über Jahre hinweg werden Menschen für ihre politische Überzeugung in Gefängnissen gefangen gehalten, ohne je offiziell angeklagt worden zu sein, oder jemals einem Haftrichter vorgeführt zu werden. Und so sitzen sie, jahrelang, ohne Anklage in Gefangenschaft. Und die Lebensbedingungen sind für uns unvorstellbar unzumutbar.Von einem Rechtsstaat, wie wir es in Europa gewöhnt sind, herrscht von Seiten der Regierung kein Interesse. Diese Thematik macht es sehr deutlich, dass Menschenrechte in Nordafrika und Syrien keine Selbstverständlichkeit sind.Die Menschenrechtslage in Syrien ist sehr schlecht. Im Zusammenhang mit der staatlichen Unterdrückung der Bürgerproteste wurden bis Mitte März diesen Jahres 800 Menschen getötet. Es kommt nach wie vor zu willkürlichen Verhaftungen und Verurteilungen. Auch sind Fälle von Folter sehr häufig. Den Menschen dort bleibt nur die Flucht.In Syrien arbeiten aktive lokale Menschenrechtsorganisationen ohne Genehmigung. Ihre Existenz ist zwar toleriert, erschwert aber eine erfolgreiche Arbeit, da diese durch vielfältige Maßnahmen behindert werden. Die politische Atmosphäre hatte sich durch den Amtsantritt von Präsident Bashar-al-Assad nur kurz entspannt. Er galt als Hoffnungsträger für die jüngeren Generationen in Syrien. Diese Hoffnung hat jedoch getrogen.

 

Doch diese Thematik ist nicht erst seit kurzem aktuell. Dr. Rassek von der Bühler AMNESTY Gruppe schilderte kurz die Entstehung vor 50 Jahren.  1961 saßen zwei Portugiesen in einem Straßencafé in Lissabon. Diese beiden portugiesischen Studenten wurden verhaftet, weil sie in der Öffentlichkeit auf die Freiheit anstießen. Peter Benenson, ein britischer Rechtsanwalt wurde auf diese Situation über einen Zeitungsartikel aufmerksam. Es erschütterte ihn, dass die beiden Portugiesen für diese Tat zu sieben Jahre Haft verurteilt wurden. Peter Benenson rief über den „Observer“ zu einer Kampagne für den Schutz vergessener Gefangenen auf. AMNESTY International war geboren. Heute sind es über drei Millionen Mitglieder in 150 Ländern. Diese Entwicklung und die Zusammenarbeit vieler AMNESTY Mitglieder und Staaten haben heute beeindruckende Erfolge gerade bei der Abschaffung der Todesstrafe vorzuweisen. In den letzten 50 Jahren haben 139 Staaten die unmenschlichste aller Strafen, die Todesstrafe, abgesetzt.AMNESTY setzt sich für einzelne Personen ein, die von ihrer Regierung zu Unrecht behandelt werden. Das geschieht nicht mit Druck, sondern mit Gesprächen und Diplomatie.In diesen 50 Jahren hat sich AMNESTY stetig vorwärts entwickelt.

Heute setzt sich AMNESTY international nicht nur für die bürgerlichen und politischen, sondern ebenso für die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Rechte ein. Doch gerade die Menschenrechte sind von großer Bedeutung, sie sind unteilbar, universell und gelten für alle, in jedem Land.Bei diesem Gespräch mit Marina Schuster wurde eines sehr deutlich: Es ist nicht möglich, in kürzester Zeit die Welt zu verbessern, aber es kann eine bessere Welt werden, wenn wir Menschen, die in Not sind, zu Hilfe zu kommen.

 

Janine Gast